Mini-Lexikon
Uns begegnen bei unserer Arbeit wiederkehrende Fragen zu unterschiedlichen Begriffen, die wir hier gerne kurz erläutern. Manches ist für Sie vielleicht auch neu? Ok, wieder was gelernt! :-)
Was versteht man unter Animal-Aimed Design?
Im Grunde hat Animal-Aimed Design (AAD) genau dasselbe Ziel, wie naturnahe Gartengestaltung seit mehr als 40 Jahren. Animal-Aimed Design ist nämlich ein Gestaltungsansatz, der darauf abzielt, Produkte, Räume oder Landschaften so zu entwerfen, dass sie gezielt den Bedürfnissen und dem Wohlbefinden von Tieren gerecht werden. Dabei steht das Tier als Nutzer oder Bewohner im Mittelpunkt der Gestaltung, ähnlich wie beim menschenzentrierten Design, aber mit einem Fokus auf nichtmenschliche Lebewesen.
Was ist Artensterben?
Artensterben bezeichnet das Aussterben von Organismen (Tieren, Pflanzen, …) in der Natur. Der Rückgang wild lebender Arten in unserer Landschaft, quantitativ und qualitativ, ist leider lange Realität und seit der Krefeld-Studie belegt. Die Gründe für den Artenschwund sind vielfältig: Verlust von Lebensraum durch Bebauung, massive Landnutzung durch industrielle Landwirtschaft, Einsatz von Ackergiften, sterile Gärten, Lichtverschmutzung. Was können wir tun? Nicht viel, aber im eigenen Garten können wir zumindest versuchen, die Welt zu retten.
Was bedeutet Artenvielfalt?
Artenvielfalt bezeichnet das Vorkommen vieler verschiedener Organismen (Tiere, Pflanzen, Pilze) an einem bestimmten Ort. Das ist es, was wir alle wollen, ob es uns bewusst ist, oder nicht. Uns zumindest ist niemand bekannt, der etwas gegen Singvögel oder Schmetterlinge hätte. Wenn wir diese wollen, müssen wir aber das ganze Netz der Biodiversität stabilisieren.
Was sind Ausdauernde Stauden?
Pflanzen, die das oberirdische Grün im Winter verlieren und im Frühjahr aus ihrer Wurzel neu austreiben. Eine Pflanze kann viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte existieren, ehe sie stirbt. In der Zwischenzeit ist es natürlich von Vorteil, wenn sie sich durch Samen vermehren konnte.
Was ist eine Ausgleichsfläche?
Ein Stück Land, das so gestaltet wird, dass es der Atenvielfalt zuträglich ist, wo sie andernorts durch ein Bauwerk beeinträchtigt wurde. Bauwerke beeinträchtigen die Natur jedoch auch, wenn anderswo ein Ausgleich stattgefunden hat. Daher: Bauwerke woimmer möglich naturnah gestalten! Zum Beispiel durch Biodiversitäts-Dächer oder naturnahe Außenanlagen.
Was bedeutet Autochthon?
Gebietsheimisch. Deutschland ist für "krautige Pflanzen" in 21 Regionen unterteilt, Gehölze sind in 6 Regionen aufgeteilt. Jedes Gebiet hat seine genetisch einzigartigen Pflanzen. Je näher am Ursprungsgebiet eine Pflanze (oder ein Tier ist), umso angepasster ist sie (es) an die Umgebung. Viele vorkommende Insekten sind beispielsweise auf die in unmittelbarer Umgebung vorkommenden Pflanzen angepasst. Hier wirkt das Schlüssel-Schloss-Prinzip.
Was versteht man unter Biodiversität?
Biologische Vielfalt. Es bedeutet in etwa "Vielfalt des Lebens". Vielfalt an Pflanzen (Flora) und Tieren (Fauna). Je mehr, desto besser. Je diverser die Standorte, umso vielfältiger die Tiere und Pflanzen, die dort zu finden sind.
Was ist Bienenfreundlich?
Meistens ein Versprechen, das nicht gehalten wird. Wo Blühendes angeboten wird, ohne BIO Label , verbergen sich oft tödliche Pestizide in der Pflanze. Diese hat sie während der Aufzucht aufgenommen. Also Finger weg! Und Saatgut? Knallbunte Mischungen aus einjährigen oder fremdländischen Pflanzen, die meist wenig nützen und wenn, nur kurz. BIO und VWW Zertifikate helfen, alles was heimisch ist auch.
Was ist eine Blumenwiese?
Eine artenreiche Wiese aus einheimischen, meist autochthonen Wildstauden, bunt, vielfältig, selten. Im Naturgarten ein Standard-Modul. Blumenwiesen werden zwischen einmal und dreimal pro Jahr gemäht, das Mähgut muss entfernt werden.
Was ist ein Blühstreifen?
Entschuldigungsflächen der Landwirtschaft, die oft wenig bringen oder eine Todesfalle für Insekten darstellen, wenn sie neben konventionell bewirtschafteten Flächen Pestiziden ausgesetzt sind. Besser: Dauerhafte Wildblumen-Wiesen mit gebietsheimischen Blumen und Kräutern, extensiv gepflegt.
Was ist ein Biodiversitäts-Gründach?
Den Begriff geprägt hat Dr. Reinhard Witt. Es stellt eine besondere Art der Dachbegrünung dar. Dabei wird i.d.R. eine Deckschicht von min. 15 cm Intensivsubstrat verwendet. Auf einem Biodiversitätsdach wächst nicht nur Sedum und Sempervivum, wie häufig auf extensiv begrünten Dächern. Hier wachsen viele verschiedene, trockenheitsverträgliche Wildstauden. Die Pflege ist mit einer einmaligen Mahd einfach.
Was versteht man unter Dachbegrünung?
In der Regel mit 6-10 cm extensivem Substrat relativ unspektakulär und wenig Artenreich, im Zeiten des Klimawandels durch Austrocknung gefährdet. Dagegen ist ein Biodiversitätsdach artenreich, mit min. 20 cm intensivem Substrat als Tragschicht. Hier gedeiht die Vielfalt heimischer Magerwiesen auf dem Dach. Eine Mahd im Frühjahr. Mähgut entfernen.
Was ist das Dillinger Modell der Nutzerbeteiligung?
Das Dillinger Modell wurde von Prof. Dr. Klaus Selle und Dr. Reinhard Witt an der bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen entwickelt. Im Naturgarten-Kontext versteht man darunter die Planung, den Bau und die Pflege eines Natur-Erlebnis-Raumes, gemeinsam mit den Benutzern. Mehr dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturerlebnisraum_(Bayern)
Was ist ein Eco-System-Garden?
Der Begriff "Eco-System-Garden" bezeichnet im Grunde das, was wir im deutschsprachigen Raum unter "Naturgarten" verstehen, komplizierter ausgedrückt "ökologisch integrativer Garten". Weitere Begriffe dafür sind "Habitat Garden", "Wildlife Garden" oder "Backyard Restoration". Eine ähnliche Bezeichnung aber weiter gefasst ist "Sustainable Gardening", also quasi das nachhaltige Gärtnern.
Was bedeutet Extensiv?
Im Zusammenhang mit Naturgarten eine Fläche mit wenigen Nährstoffen, also mager, oft trocken. Viele einheimische Pflanzen gedeihen gerade auf solchen Flächen. Da sie in unserer Landschaft sehr selten geworden sind, umso wertvoller im eigenen Garten.
Was sind Einjährige Pflanzen?
Typische Vertreter sind Kornblumen und Mohnblumen. Es sind jedenfalls Pflanzen, die innerhalb eines Jahres nach Ansaat zu Blüte und Samenreife gelangen. Sie verschwinden, wenn sich die Wiese mit Zwei- und Mehrjährigen schließt. Solange es offenen Boden gibt, treten sie weiterhin auf.
Was versteht man unter Gehölz?
Alle Pflanzen mit verholzenden Pflanzenteilen: Bäume, Sträucher, Zwerggehölze. Nicht zu verwechseln mit Halbsträuchern oder Stauden. Stauden sind mehrjährige Gefäßpflanzen ohne verhärtende Teile, mit Blüten.
Was sind Geophyten?
Erdpflanzen, mehrjährige Stauden, deren Überdauerungsorgane (Rhizome, Knollen, Zwiebeln) im Boden liegen und der Nährstoffspeicherung und der ungeschlechtlichen Fortpflanzung dienen. (www.wissen.de)
Was versteht man unter Heimisch?
Alle Pflanzen, die vor 1492 (Kolumbus entdeckt nach den Wikingern Amerika) schon in Europa und Deutschland waren oder es aus eigener Kraft hierher geschafft haben. Eine andere Bezeichnung lautet "Archäophyt". Also alle Pflanzen, die quasi "schon immer" da waren. Ansonsten lassen sich noch unterscheiden: Geophyten und Neophythen . Siehe entsprechender Absatz.
Was bedeutet Halbschattig?
Alle Teile des Gartens, die weniger als 6 Stunden Sonne pro Tag bekommen, gemessen, wenn im Juni die Sonne am höchsten steht.
Was ist ein Hortus?
Lateinisch für Garten. In Deutschland oft gleichgesetzt mit dem sog. "Drei-Zonen-Modell" nach Markus Gastl, dem Begründer der Idee und des Hortus-Netzwerks.
Was bedeutet Invasiv?
Pflanzen, die sich stark verbreiten und heimische Pflanzen verdrängen. Diese Pflanzen sind im Stande, ganze Lebensräume zu zerstören. Sie verbreiten sich so stark, da sie keine ebenbürtig starken Pflanzen in Ihrem Lebensraum haben, welche ihnen Einhalt gebieten. Ebenso fehlen Pflanzenfresser, welche auf diese Pflanzen spezialisiert wären.
Was ist ein Insektenhotel?
Falscher Begriff, als Insektennisthilfe besser. Noch besser: Heimische Pflanzen als Futterquelle anpflanzen und natürliche Brutmöglichkeiten im Garten schaffen (z. B. offener Boden, hohle Pflanzenstängel, besonntes Totholz), dann erübrigt sich das Anbringen von Insektennisthilfen. Aus pädagogischen Gründen sind Nisthilfen zum Beobachten natürlich durchaus sinnvoll.
Was ist Insektenfreundlich?
Werden alle Pflanzen bezeichnet, die Nektar oder Pollen besitzen. Dabei wird vergessen, dass heimische Insekten um in ihrer Vielfalt zu existieren viel mehr brauchen. Es gibt Insekten, die Blätter fressen, Pflanzensäfte saugen oder an unreifen Samen oder Wurzeln von Pflanzen. In der Regel haben diese Insekten nicht gelernt, mit fremdländischen Pflanzen zu co-existieren. Daher schließen wir 90% aller Insekten aus unserem Garten aus, wenn wir ihn vollstopfen mit fremdländischen Pflanzen, auch wenn diese als "Insektenfreundlich" bezeichnet werden.
Was versteht man unter Klimawandel?
Findet gerade statt, hat große Auswirkungen. Umstritten ist, ob er menschengemacht ist. Etwas gegen die vermuteten Ursachen zu unternehmen wäre jedenfalls sinnvoll. Klimawandel, oder Klimakatastrophe, bezeichnet die Veränderung der klimatischen Bedingungen. In Deutschland führt es bislang dazu, dass sich die Phänomenologie auswirkt. Pflanzen erscheinen früher im Jahr und blühen früher, als noch vor 30 Jahren. Es gibt mehr Wetterextreme (Starkregen, Trockenperioden).
Was sind Klimabäume?
Meist nicht heimische, nicht in die lokale Biodiversität eingebundene Gehölze. Dagegen stehen in (mittel)europa urwüchsige, aus wärmebegünstigten Klimaregionen stammende sog. "heimische Klimabäume". Diese wirken biodiversitätsfördernd. Mehr zum Thema: https://naturgarten.org/wissen/2023/10/03/klimabaeume-und-biologische-vielfalt und https://www.anl.bayern.de/projekte/regionale_stadtgehoelze/doc/2025_gehoelzsteckbriefe_teil_1_steckbriefe.pdf
Was sind Lichtkeimer?
Samen, die nur keimen, wenn Licht an sie herankommt. Die meisten Wiesenpflanzen sind Lichtkeimer. Wildstaudensaatgut für Blumenwiesen darf also nicht in den Boden eingearbeitet werden, ebenso schadet es, wenn Mähgut auf der Fläche verbleibt, denn das verschattet ebenfalls. Das Ergebnis: Weniger Blumen, mehr Gräser.
Was ist Lichtverschmutzung?
Wenn die Nacht zum Tag wird. Beleuchtung, welche Insekten anzieht und häufig unnötig ist. Da Insekten sich am Mond orientieren, werden sie von Leuchten angezogen, umkreisen eine Lampe, bis sie schließlich erschöpft zu Boden fallen und dann zur Nahrung von Vögeln, Fledermäusen oder Spinnen werden. Daher: Keine Beleuchtung im Garten, wo nötig, mit Bewegungsmeldern, bedarfsbezogen. Ebenfalls besser als "herkömmliche" Beleuchtung ist "insektenfreundliche" Beleuchtung zum Beispiel "Eden-Light".
Was versteht man unter Landschaftsplanung?
Landschaftsplanung beschreibt das Konstruieren und Gestalten landschaftlicher Veränderungen. Im Mittelpunkt steht der Mensch und dessen Bedürfnisse sowie Ideen für eine nachhaltige Entwicklung unserer Umgebung. Landschaftsplanung bzw. Landschaftsarchitektur verbindet Stadt- und Regionalplanung und wägt ökologische und ökonomische Interessen ab.
Was ist die Mulch-Mahd?
Nach dem Mähen bleibt das Mähgut bei diesem Verfahren kleingehäckselt auf der Fläche liegen. Einerseits werden alle auf der Fläche befindlichen Lebewesen geschreddert, außerdem werden so Gräser bevor- und Blumen und Kräuter benachteiligt. Die Artenvielfalt schwindet.
Was versteht man unter Nachhaltigkeit?
Überstrapazierter Begriff, viel zu oft verwendet, nur selten eingehalten. Nichts ist wirklich nachhaltig. Im Naturgarten versuchen wir zumindest, so weit als möglich, an Nachhaltigkeit heran zu kommen, durch die Verwendung lokaler Baumaterialien. Vermieden wird, soweit möglich, alles, was CO2 oder Schadstoffe in die Umwelt abgibt. Nachhaltig sind außerdem heimische Wildpflanzen. Sie erneuern sich immer wieder selbst, binden CO2 und halten bei korrekter Pflege ewig. Um unseren CO2-Fußabdruck weiter zu verbessern gleichen wir einen Teil unserer Emissionen jedes Jahr druch "atmosfair" aus. Zertifikat ansehen.
Was ist ein Neophyt?
Pflanzen die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. In Deutschland alle Pflanzen, die mithilfe des Menschen nach 1492 eingewandert sind, mit oder ohne Pass. Die meisten verhalten sich unauffällig, manche versuchen jedoch die Herrschaft an sich zu reißen, die sogenannten "Invasiven Neophyten".
Was ist ein Natur-Erlebnis-Garten?
Ein Natur-Erlebnis-Garten ist ein Garten in dem noch erlebt werden kann, was in unserer "Normallandschaft" nicht mehr so leicht erlebt werden kann: Ästhetische Wildnis. Der von Naturgarten-Fachplanern (siehe https://naturgarten-fachbetriebe.de/) geplante und in der Ausführung begleitete Garten beinhalten im Besonderen Maße Lebensraummodule wie "Käferkeller/Totholzhecke", "Sandarium/Eidechsenburg/Sandlebensraum", "Wasserlebensraum/Teich", um ganze Lebensräume für verschiedene Spezies zu schaffen. Dabei wird das gesamte benötigte Ökosystem verschiedner Arten berücksichtig.
Was ist ein Naturgarten?
Ein Garten, indem das Leben mehr wird, anstelle weniger (wie normalerweise). Im Naturgarten werden möglichst viele Lebensräume geschaffen, um heimische Pflanzen und Tiere einen Platz zu geben. Dabei geht es um die Symbiose von Mensch und Natur, ein Nebeneinander und Miteinander.
Was versteht man unter Naturnah?
Nahe der Natur. Es wird versucht, intakte Natur nachzubilden: Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Dabei werden im besten Falle nur heimische Pflanzen verwendet sowie möglichst viele Strukturen (Sandstellen, Totholz, Ast- & Steinhaufen, etc.) geschaffen. Das Motto lautet: Vielfalt schafft Vielfalt.
Was ist Naturschutz?
Unter Naturschutz versteht man das Schützen intakter, natürlicher Systeme, ferner auch das Wiederherstellen (siehe Rewilding). Vom früheren Artenschutz entwickelte sich der Naturschutz innerhalb der vergangenen dreißig Jahre hin zum Lebensraumschutz.
Was ist NaturaDB?
NaturaDB ist eine spezialisierte wissenschaftliche Pflanzendatenbank und App, die Nutzern dabei hilft, Gärten, Balkone und Terrassen ökologisch sinnvoll und naturnah zu gestalten.
Was ist der Naturgarten-Shop?
Naturgarten-Shop (https://naturgartenshop.com), nach der Gründung zunächst "Hortus-Lebensinseln-Shop", gehört zur David Seifert GmbH und handelt mit Saatgut, Pflanzen, Nisthilfen und weiteren Produkten für nachhaltige, naturnahe Gartengestaltung. Der Naturgarten e. V. betreibt einen Shop mit selbem Namen unter anderer URL: https://shop.naturgarten.org.
Was versteht man unter Oberboden?
Natürlich gewachsener Boden der obersten Bodenschicht. Auch als Humus bezeichnet. Im naturnahen Gartenbau i. d. R. unbrauchbar, da mit Wurzl- und Saatunkräutern verunreinigt. Ideen, wie es besser geht listet inzwischen sogar die FLL-Biodiversität.
Was bedeutet Permakultur?
Der Begriff Permaculture steht für "Permanent agriculture". Er wurde 1978 von Bill Mollison and David Holmgren geprägt. Dem zugrunde liegt ein Land-Management-System, welches durch das Beobachten und Nachahmen natürlicher Zusammenhänge der Natur versucht, die Landnutzung durch den Menschen so zu gestalten, dass Landschaft und Natur in ihrer eigentlichen Funktion berücksichtigt und nicht geschädigt werden. Im Grunde stellt es einen Gegenvorschlag zur "konventionellen Landwirtschaft" dar, geht heute jedoch darüber hinaus.
Was versteht man unter Restbestand?
Nur dort, wo seltene Tiere noch vorkommen, können diese in den Garten gelockt werden. Mit einem Naturgarten kann ein Restbestand gestärkt werden. Langfristig hilft nur großflächige Biotopvernetzung, Renaturierung und das vollständige Verbot von Ackergiften.
Was ist Re-Wilding, -Naturierung, -Kultivierung?
Während der klassische Naturschutz zurecht oft den Kopf in den Sand steckt, weil das "Verwalten verbliebener Reste intakter Natur" frustrierend sein kann, geht Rewilding einen anderen Weg: Unter Rewilding, Renaturierung oder Rekultivierung versteht man, (hochgradig) degradierte, übernutzte Landschaften (weltweit) wieder "nutzbar" zu machen. Sowie auch – speziell in Europa – im engeren Sinne, verlorengegangene Tier- und Pflanzenarten zurückzubringen. Hier passiert auf großen Flächen das, was wir im naturnahen Garten auf kleinen Flächen tun.
Was ist die "Rote Liste"?
Die „Rote Liste“ ist ein Instrument im Natur- und Artenschutz, das den Gefährdungsstatus von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten dokumentiert und bewertet. Sie zeigt auf, welche Arten in einem bestimmten Gebiet (z. B. einem Land, einer Region oder weltweit) bedroht, gefährdet oder bereits ausgestorben sind. Aufgenommen werden Pflanzen oder Tiere nicht zwangsläufig, wenn sie besonders selten geworden sind (vom Aussterben bedroht), sondern ausschlaggebend ist die Geschwindigkeit der (Zu- bzw.) Abnahme.
Was ist ein Saum?
Vereinfacht ausgedrückt der Übergang zwischen zwei Bereichen. See und Ufer etwa, hier wächst der Ufersaum. Im Naturgarten der Wildpflanzensaum, oft als "Blumenhecke", nur einmal gemäht, nach dem Winter oder gar nur alle zwei Jahre. Hier überwintern Insekten in holzigen Stängeln und Stieglitze holen sich hier Samen.
Was sind Sorten?
Züchterisch (manchmal genetisch) veränderte Pflanzen, oft werden Blütenfarben, -größen oder Blühzeiten verändert. Gefüllte Blüten sind typischerweise züchterisch verändert. Sie bieten Insekten keine Pollen mehr, da die Pollenstände aus Zierzwecken zu Blütenblättern gezüchtet wurden. Sorten sind als Auswahl von Wildpflanzen meist weniger resistent.
Was ist Unkraut?
Verkehrte Pflanze am falschen Ort, also Definitionssache. Viele unserer wertvollen heimischen Wildpflanzen werden als solche nicht erkannt und als Unkraut bezeichnet. Umdefiniert werden sie schnell alles Unkraut in Ihrem Garten los. Im Naturgarten werden schnellwüchsige, einjährige sich oft durch Ausläufer verbreitende, zumal invasive Pflanzen als Unkraut bezeichnet.
Was ist eine Vegetationstragschicht?
Die oberste Schicht des Substrataufbaus. Hier werden die nützlichen und schönen Wildpflanzen gepflanzt oder angesät. Diese Schicht besteht im Naturgarten meist aus magerem Substrat wie Sand oder Schotter und etwas unkrautfreiem Kompost.
Was sind Wildbienen?
Nicht Honigbienen, sondern die ca. 550 anderen Arten in Deutschland, die es wirklich zu schützen gilt. Die meisten leben solitär. 50% von ihnen sind spezialisiert auf ganz bestimmte Pflanzen und sammeln für ihren Nachwuchs nur von ihnen Pollen.
Was versteht man unter Wildstauden?
Pflanzen, die bei uns nativ in der Natur vorkommen, genetisch variabel und nicht züchterisch verändert sind. Jede Pflanzenart in jedem Winkel Deutschlands passt sich genetisch an. So blüht eine Wiesen-Wittwenblume in Norddeutschland zu ein einer anderen Zeit im Jahr, als im Süden, in Bayern.
Wer ist Reinhard Witt?
Dr. Reinhard Witt ist Biologe, Journalist und Naturgarten-Experte. Seit mehr als 40 Jahren widmet er sein Leben dem Thema naturnahe Gartengestaltung. Reinhard war und ist unser Lehrmeister. Er hat wie kein anderer die Szene geprägt. Bis heute ist er Präsident des NaturGarten e.V., den er gegründet und ca. 30 Jahre lang geprägt hat.
Was sind Zweijährige?
Zwei- und Mehrjährige Pflanzen bilden im ersten Jahr i. d. R. nur eine Blattrosette aus, um im zweiten Jahr durchzustarten. Natürlich gibt es Ausnahmen, manchmal dauert es drei Jahre oder länger oder es passiert alles im selben Jahr, doch grundsätzlich gilt diese Regel. Nach der Blüte bildet die Pflanze Samen aus und stirbt.
©Copyright: Viele Einsichten, die Sie nun gelesen haben, stammen z. T. aus Büchern oder anderen Veröffentlichungen von Dr. Reinhard Witt, Katrin Kaltofen, Markus Gastl, Dave Goulson und anderen herausragenden Denkern, Autoren und Naturgartengestaltern, denen wir unser Wissen verdanke. An dieser Stelle: Danke!